Predigt (Vorschau)
Liebe Schwestern und Brüder,
„Exaudi" – das ist der Name dieses Sonntags. Er stammt aus dem 27. Psalm: „Höre, HERR, mein lautes Rufen; sei mir gnädig und erhöre mich!" (Ps 27,7). Dieser Ruf des Psalmisten trifft uns heute mit einer besonderen Kraft, denn Exaudi ist der letzte Sonntag vor Pfingsten. Wir stehen an einer Schwelle: Hinter uns liegt Christi Himmelfahrt, vor uns liegt die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Das Evangelium des heutigen Sonntags (Joh 15,26–16,4) bringt uns eine der bedeutendsten Verheißungen Jesu: „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir." (Joh 15,26)
Das griechische Wort „Parakletos" – der Tröster, der Beistand, der Anwalt – ist ein Schlüsselbegriff in diesen Kapiteln des Johannesevangeliums. Jesus spricht dieses Wort in einer Zeit höchster Bedrängnis. Er weiß, dass er sterben wird. Er weiß, dass seine Jünger verfolgt werden. Er weiß, dass sie ihn verlassen werden. Und doch gibt er ihnen diese Verheißung: Ich gehe, aber ich werde euch nicht allein lassen.
„Es ist gut für euch, dass ich weggehe", sagt Jesus in Johannes 16,7. Was für eine erstaunliche Aussage! Wie kann das Weggehen Jesu gut für uns sein? Der Schlüssel liegt in dem, was folgt: „Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch." Das Kommen des Heiligen Geistes ist die Frucht von Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Es ist das Ziel, auf das die gesamte Heilsgeschichte hinausläuft.
Der Heilige Geist ist kein Ersatz für einen abwesenden Jesus. Er ist die Gegenwart des auferstandenen Herrn in einer neuen, alles durchdringenden Weise.
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