Predigt (Vorschau)
Liebe Gemeinde,
am Freitag vor dem Sonntag Trinitatis, dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, hören wir auf einen der kraftvollsten und tröstlichsten Texte des Apostels Paulus. Es sind Worte, die uns mitten ins Herz des christlichen Glaubens führen – zu der Frage: Wer sind wir vor Gott? In welcher Beziehung stehen wir zu ihm? Was dürfen wir von ihm erwarten?
Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer, Kapitel 8, Verse 14 bis 17:
„Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden." (Römer 8,14–17)
Diese Worte entfalten eine Wahrheit von unermesslicher Tiefe und Schönheit. Lassen Sie uns gemeinsam hinhören und entdecken, was Paulus uns hier schenkt.
Zunächst spricht Paulus davon, dass der Geist Gottes uns treibt. Das griechische Wort, das hier verwendet wird, meint ein sanftes Führen, ein Leiten von innen heraus. Es ist nicht ein Zwang, keine äußere Vorschrift, sondern eine innere Bewegung. Der Heilige Geist, den wir an Pfingsten empfangen haben und dessen Wirken wir in dieser nachpfingstlichen Zeit bedenken, ist keine unpersönliche Kraft. Er ist Gott selbst, der in uns wohnt und uns auf den Weg des Lebens führt. Wer sich von diesem Geist leiten lässt, der ist – so Paulus mit einer schlichten und doch gewaltigen Aussage – Gottes Kind.
Dann kommt die entscheidende Unterscheidung, die alles verändert: „Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet." Wie viele Menschen leben in Angst vor Gott! Wie viele verstehen Religion als ein System von Pflichten und Strafen, als ständige Furcht, nicht zu genügen, nicht fromm genug zu sein, Gottes Ansprüchen nicht zu entsprechen! Paulus sagt klar und deutlich: Das ist nicht der Geist, den ihr empfangen habt. Der Geist Gottes ist kein Geist der Angst und der Knechtschaft. Er ist ein Geist der Kindschaft – ein Geist, der uns in eine vertrauensvolle, liebende, unmittelbare Beziehung zum Vater setzt.
Der Beweis dafür ist der Ruf „Abba, lieber Vater!" – jenes aramäische Wort, das Jesus selbst im Gebet verwendete, als er im Garten Gethsemane rang (Markus 14,36). Es ist die vertrauteste, innigste Anrede, die ein Kind seinem Vater geben kann. Und genau diese Anrede legt der Heilige Geist uns in den Mund.
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